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Die AGF wird 60! - Teil 5

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[13. 11. 2014] Im Jahr 1954, also vor genau 60 Jahren, wurde die AGF gegründet. Seitdem hat sich in der Familienpolitik und natürlich auch innerhalb der AGF viel getan. Aus diesem Anlass blickt die AGF mit einer unregelmäßigen Artikelfolge von Dr. Vera Urban auf ihr 60-jähriges Wirken sowie die gesellschaftpolitischen Veränderungen, die den Rahmen für eine Politik für Familien bilden, zurück. Der fünfte Teil konzentriert sich auf die neunziger Jahre.

 

Die 1990er Jahre: Ein turbulentes Jahrzehnt – Die Wiedervereinigung und das Bundesverfassungsgericht schaffen neue Bedingungen für Familienpolitik

(Autorin: Dr. Vera Urban)

 

Das neue Jahrzehnt begann so turbulent, wie das alte aufgehört hatte. Auf den Mauerfall folgte die Wiedervereinigung der beiden deutschen Staaten. Die Arbeitsgemeinschaft der deutschen Familienorganisationen (AGF), in den 1990er Jahren zusammengesetzt durch den Deutschen Familienverband (DFV), den Familienbund der Katholiken (FDK), der Evangelischen Aktionsgemeinschaft für Familienfragen (heute: evangelische arbeitsgemeinschaft familie) (EAF) und den Verband alleinerziehender Mütter und Väter (VAMV), blieb von dem Wandel mitnichten unberührt.

 

Ost und West

 

Es gab mit der Wiedervereinigung auf einen Schlag neue Themen und Entwicklungen. Die Gesellschaft war im Umbruch, kulturell, sozial und wirtschaftlich. Zur keinesfalls gebannten Arbeitslosigkeit in den alten Bundesländern gesellte sich die neue Erwerbslosigkeit in den Regionen der früheren DDR. Die Gestaltung des Familienlebens in Ost und West offenbarte unterschiedliche Akzente. Beispielsweise war in den fünf neuen Bundesländern das Zusammenleben von unverheirateten Paaren mit ihren Kindern viel stärker verbreitet und es gab eine höhere Anzahl von Einelternfamilien.

1990 diskutierten die AGF-Verbände die „Perspektiven der Familienpolitik nach der Wiedervereinigung“. Veränderungen in der Familienpolitik waren teilweise bereits durch den Vereinigungsvertrag festgelegt worden. Beispielsweise wurden die bezahlten Tage zur Pflege von kranken Kindern für abhängig beschäftigte Eltern in der Bundesrepublik von fünf auf zehn Tage im Jahr aufgestockt. Ein wichtiges und öffentlich stark diskutiertes Vorhaben war die Neuregelung des §218 StGB.

Die vier Verbände der AGF begannen in den neuen Bundesländern neue Landesverbandsstrukturen aufzubauen. Dafür erhielten sie ab Juli 1991 eine Anschubfinanzierung von Personal- und Sachkosten durch das Bundesfamilienministerium.

Die AGF organisierte ein zweitägiges „Werkstattgespräch“ mit dem Thema „Zur Situation von Familien im wiedervereinigten Deutschland“, das im November 1991 in Gera stattfand. Das vorbereitete Pressestatement des Bundesfamilienministeriums (wohl für die Familienministerin Rönsch, welche allerdings auf der Tagung überraschend vertreten werden musste, da sie wiederum den Bundeskanzler vertrat) maß dem Werkstattgespräch, „dem ersten seiner Art“, eine „besondere familienpolitische Bedeutung“ zu.

Die Dokumentation des Werkstattgesprächs zeichnet ein lebhaftes Bild von den Debatten der anwesenden Verbandsvertreter/innen, der politischen Amtsträger/innen aus Bundes- und Landespolitik, der Wissenschaftler/innen und weiterer Personen aus der Gesellschaft von West und Ost. Klassische familienpolitische Themen wurden – durchaus kontrovers und auch mit Blick auf die DDR-Gesetzgebung diskutiert. Diese bot für eine (synchrone) Vereinbarung von Kindererziehung und Vollzeitarbeit sowie die Belange alleinerziehender Frauen recht weitreichende Unterstützung.

Offenbar wurde in den Redebeiträgen die Enttäuschung über die vor allem Frauen treffende Arbeitslosigkeit nach der Wiedervereinigung. Auch der Abbau der Kinderbetreuungsmöglichkeiten stieß auf Ablehnung. So lässt sich es in einem Beitrag zur Podiumsdiskussion lesen: „Wenn es an die Substanz der Kindereinrichtungen geht, weiß ich nicht, ob es gewollte Politik ist […]. Ich denke, dass wir in Punkto Frauen von einem Extrem in das andere fallen. Nämlich von dem Extrem zu DDR-Zeiten der staatlichen erzwungenen Berufstätigkeit von Frauen, in das nächste, der staatlich erzwungenen Rolle als Hausfrau und Mutter. Und dagegen wehre ich mich […].“

Im Werkstattgespräch zur „Interessenvertretung für Familien - Beratungsmöglichkeiten von Verbänden“ zeigte sich die aus früheren politischen Erfahrungen resultierende Zurückhaltung gegenüber Verbandsmitgliedschaften. Die Notwendigkeit von Erwerbsarbeit gegenüber Ehrenamt wurde als Einwand gegenüber einem Engagement in Familienverbänden herausgestellt.
Die AGF setzte sich 1993 bei den Regierungen der neuen Bundesländer erfolgreich für eine Folgefinanzierung der neuen Landesverbände der vier Familienorganisationen ein.

Über ihre Erfahrungen mit dem Verbandsaufbau konnten sich die Vertreter/innen der AGF im November 1992 mit einer Delegation aus Litauen im Bundesfamilienministerium austauschen.

Die Umbruchsituation warf neue Themen und Fragen auf. Seit 1992 nahm ein Vertreter der AGF am „Gespräch zur Bekämpfung der Gewalt“ des Bundeskanzleramtes teil. Die Familienlandesverbände führten Veranstaltungen und Beratungen zur Verhinderung von Gewalt durch. Auch Ausländerfragen rückten in den Fokus ihrer Arbeit. Die Arbeitsgemeinschaft der deutschen Familienorganisationen setzte auf Bundesebene ihr Engagement bei der „Konferenz mit Vertretern der gesellschaftlichen Gruppen über die Eingliederung von Aussiedlern“ fort.

 

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