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AGF-Kommentar zur 2. Bildungsstudie

Bild zur Bildungsstudie von JAKO-O

[5. 9. 2012] Am heutigen Mittwoch wurde die 2. JAKO-O Bildungsstudie vorgestellt. Es zeigen sich u.a. die Erwartungen der Eltern an das Schulsystem und auch, wie stark die Eltern sich um die Bildung ihrer Kinder kümmern. Die AGF hat einen Kommentar zur Studie verfasst.

 

Kommentar der AGF zur 2. JAKO-O Bildungsstudie: Zentrale Erwartungen der Eltern zur Schule in Deutschland bleiben nach wie vor unerfüllt


Bildung schafft Zukunftschancen: für die Gesellschaft als Ganzes ebenso wie für jeden Einzelnen. Ein gutes Bildungssystem bietet die Möglichkeit, unabhängig von den sozio-ökonomischen Voraussetzungen der Familien die Persönlichkeit eines Kindes ganzheitlich zu entwickeln, seine Stärken zu fördern und Schwächen auszugleichen. Gute Bildungspolitik kann auf diese Weise auch die Armutsspirale durchbrechen. Die gesellschaftliche Bedeutung einer guten Bildung wird nicht zuletzt auch auf europäischer Ebene betont durch die Europa 2020-Strategie, die als eines der fünf Kernziele die Erhöhung des Bildungsniveaus nennt.

Auch Eltern wissen um die Bedeutung der Bildung, dies zeigt die 2. Bildungsstudie von JAKO-O ganz deutlich. Doch schon die gesellschaftliche Basis scheint hier nicht zu stimmen: es ist geradezu erschreckend, dass nur 53 Prozent der Eltern mit schulpflichtigen Kindern bis 16 Jahren Deutschland für ein kinderfreundliches Land halten. Da tröstet es kaum, das es vor zwei Jahren sogar weniger als die Hälfte waren.

Bildung muss mehr leisten als die Entwicklung von Nachwuchs für den Arbeitsmarkt und den Ausgleich für den erwarteten Fachkräftemangel. Die Reduzierung der Schule auf einen Ort berufsbezogener Ausbildung und Leistungsförderung ist nicht nur aus Sicht der Eltern sondern auch für die Gesellschaft unbefriedigend. Wichtig sind für alle Seiten vielmehr die Vermittlung eines umfassenden Allgemeinwissens sowie die Erziehung zu verantwortlichen und entscheidungsfähigen Menschen.

Sowohl für den Einzelnen als auch für die Gesellschaft als Ganzes ist es dabei von zentraler Bedeutung, dass alle Kinder gleiche Bildungschancen haben. Dies wird von einer überwältigenden Mehrheit der befragten Eltern (84 Prozent) gefordert, doch die Realität in Deutschland sieht anders aus. Die Chancen für Kinder sind umso schlechter, je weniger die Ressourcen Zeit, Geld, Bildung und Stabilität in einer Familie vorhanden sind. Umgekehrt gilt: je höher der Bildungsabschluss der Eltern, desto sicherer ist eine erfolgreiche Schullaufbahn mit hohem Bildungsniveau. Eltern haben für diese Zusammenhänge ein feines Gespür, denn mehr als die Hälfte der Befragten halten das deutsche Bildungssystem für ungerecht.

Bildungseinrichtungen müssen jedoch darauf ausgerichtet sein, soziale Unterschiede auszugleichen statt diese zu verfestigen. Einen Beitrag dazu kann die Ganztagsschule mit ihren ergänzenden Angeboten leisten. Sie zu stärken und auszubauen ist im Sinne der befragten Eltern. Eltern kümmern sich um das Wohl ihrer Kinder, oft auch mit erheblichen persönlichen Einschränkungen: Sie nehmen sich viel Zeit für die alltägliche Unterstützung der schulischen Tätigkeiten (75 Prozent der Befragten), tragen erhebliche finanzielle Belastungen, besonders bei geringem Familieneinkommen (69 Prozent) und vor allem die Mütter verzichten vielfach auf Karriereoptionen (57 Prozent). Nicht selten füllen Eltern damit Lücken in der schulischen und staatlichen Infrastruktur. Dass gerade auch die Schule ihren Aufgaben nur teilweise nachkommt und viel an den Familien hängen bleibt, kritisieren immerhin fast zwei Drittel der Eltern.

Es ist daher die zentrale Herausforderung für die Politik, endlich die nötigen Rahmenbedingungen bereitzustellen: eine Bildungsinfrastruktur, die für alle Kinder, unabhängig von ihrer sozialen Lage, ihrer Herkunft, ihrem Wohnort oder anderer Faktoren offen ist und die mit angemessenen Personal sowie mit den erforderlichen finanziellen Ressourcen eine Bildung verwirklicht, die den Bedürfnissen der Kinder, der Eltern und der Gesellschaft tatsächlich gerecht wird.