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1. JAKO-O Bildungsstudie veröffentlicht

JAKO-O Bildungsstudie

[8. 9. 2010] Am heutigen Mittwoch wurde die 1. JAKO-O Bildungsstudie vorgestellt, in der 3.000 Eltern zum Schulsystem befragt wurden. Es zeigen sich u.a. die Erwartungen der Eltern an das Schulsystem und auch, wie stark die Eltern sich um die Bildung ihrer Kinder kümmern.

 

Die JAKO-O Bildungsstudie zeigt die große Wichtigkeit, die Eltern einer guten Bildung ihrer Kinder beimessen. Gerade im Europäischen Jahr gegen Armut und soziale Ausgrenzung gewinnt an Bedeutung, wie wenig ausgeprägt die Chancengleichheit im Bildungssystem ist: Je weniger die Ressourcen Zeit, Geld, Bildung und Stabilität in einer Familie vorhanden sind, desto weniger Chancengerechtigkeit existiert für ihre Kinder. Dies gilt insbesondere für Kinder von Alleinerziehenden, aus Familien mit Migrationshintergrund und aus Mehrkindfamilien. Daher sollte es eine Selbstverständlichkeit sein, dass Bildung vollständig kostenfrei ist, einschließlich der benötigten Lehr- und Lernmaterialien sowie gemeinsamer Aktivitäten und Ausflüge.

 

Die Studie zeigt auch, wie sehr Eltern sich um das Wohl ihrer Kinder kümmern – mit erheblichen persönlichen Einschränkungen, teilweise sogar bis hin zur persönlichen Überforderung. Sie nehmen die ihnen zugewiesene Rolle als Nachhilfeinstitution Nr. 1  zum Wohle ihrer Kinder notgedrungen an,  sind aber keineswegs zufrieden damit. Die Familien sind die Basis, auf der die Bildung der Kinder wächst. Sie sind die primär geeigneten Orte der Erziehungsverantwortung und Bildung für Kinder und Jugendliche. Dies gelingt in einem offenen Bildungssystem, das individuelle Lebenserfahrungen anerkennt und Eltern als Kooperationspartner begreift. Bemerkenswert ist, dass die insgesamt unbefriedigende Qualität des Bildungswesens nicht den einzelnen Lehrkräften angelastet wird,  deren Bemühungen durchaus gewürdigt werden,  sondern vielmehr den strukturellen Grenzen des Bildungssystems.

 

Eltern zweifeln daran, dass das Schulsystem allein ausreichende Ergebnisse für ihre Kinder liefert. Benötigt wird eine hohe Qualität der Bildungs- und Betreuungseinrichtungen, die ungeachtet des finanziellen und sozialen Status allen Kindern gleichermaßen zugänglich sein müssen, mit einer entsprechenden Qualifizierung der Erzieher/innen und Lehrer/innen, die sich an den Bildungsbedürfnissen und Erfahrungswelten der Kinder und Jugendlichen orientiert. Auch kommt das föderale Bildungssystem mit teilweise erheblichen Unterschieden zwischen den Bundesländern bei den Eltern nicht gut weg.  Soziale Ausgrenzungsmechanismen innerhalb des Bildungssystems müssen aufgebrochen werden, um die Zukunftschancen der Kinder und Jugendlichen nachhaltig zu verbessern.

 

Ausgrenzungsmechanismen bestehen auch dann bzw. greifen auch dann, wenn die Erfahrung mit dem deutschen Schulsystem sowie die Information, wie Schule in diesem Land funktioniert, nicht vorliegen. Familien mit Migrationshintergrund verfügen ganz oft nicht über diese Kenntnisse, sondern gehen von ihren eigenen Erfahrungen aus, die jedoch in einem anderen Land erworben wurden und hier nicht greifen.

 

Dem Bildungsbereich kommt eine Schlüsselrolle in der Armutsprävention zu. Gute Bildung erhöht die Startchancen der von Armut betroffenen Kinder, erleichtert ihnen den späteren Zugang zum Arbeitsmarkt und trägt so dazu bei, die „Vererbung der Armut“ von einer Generation zur nächsten zu durchbrechen. Dabei ist Bildung mehr als die Entwicklung von Nachwuchs für den Arbeitsmarkt: Schule soll eine umfassende Allgemeinbildung vermitteln und in Kooperation mit den Eltern autonome, entscheidungsfähige Individuen und Bürger hervorbringen.

 

Die Ergebnisse in Stichworten:

  • Chancengleichheit geht Eltern vor Elitedenken
  • Elternwünsche bisher kaum verwirklicht
  • Eltern als Nachhilfelehrer – Familien unter Druck
  • Schule überfordert auch viele Eltern
  • Eltern kritisieren das System – nicht die Lehrer

 

Fazit der Studie: „Es besteht eine große Differenz zwischen dem, was Eltern von Schule erwarten und dem, was dort tatsächlich passiert“, erklärte JAKO-O Chefin Bettina Peetz bei der Präsentation der Studienergebnisse in Berlin.

Für die repräsentative Studie befragte das Meinungsforschungsinstitut TNS Emnid im Auftrag von JAKO-O 3.000 Eltern mit Kindern zwischen 3 und 16 Jahren. Befragt wurden Eltern aus dem gesamten Bundesgebiet. Die Interviews erfolgten per Telefon von Mitte Juni bis Anfang Juli.