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Kinderarmut in Deutschland und Europa
Cover der Dokumentation
Derzeit leben ca. 19 Prozent der Kinder und Jugendlichen unter 18 Jahren in der EU an oder unterhalb der Armutsschwelle. Entsprechend der Definition des Armutsbegriffes stehen ihnen weniger als 60 Prozent des jeweiligen nationalen Medianeinkommens zur Verfügung. Damit ist in einer der weltweit reichsten Regionen fast jedes fünfte Kind von Armut betroffen. Die Armut dieser Kinder und Jugendlichen ist überwiegend eine relative Armut. Das schränkt jedoch die Bedeutung ihrer individuellen Armutserfahrungen nicht ein. Gerade in grundsätzlich wohlhabenden Gesellschaften ist Armut ein Stigma, das zu sozialer Ausgrenzung und Benachteiligung führt. Und auch in Europa gibt es Fälle von Existenz bedrohender Armut, mit den bekannten Auswirkungen auf die physische und psychische Entwicklung der Kinder und Jugendlichen. Kinder aus armen Verhältnissen erreichen seltener einen guten Schulabschluss, sie leben öfter in beengtem Wohnraum und in einem schwierigen sozialen Umfeld. Sie geraten häufiger in Konflikte mit der Polizei, verfügen meist über geringere Sozialkontakte und leiden häufiger unter gesundheitlichen Problemen. Für arme Kinder und Jugendliche ist es sehr viel schwieriger, in der Gesellschaft Fuß zu fassen und diese später aktiv mitzugestalten. Das Aufwachsen in Armut schränkt die persönlichen Entwicklungsmöglichkeiten und die Zukunftschancen der betroffenen Kinder stark ein. Je früher und je länger ein Kind in Armut aufwächst, desto massiver wirkt sich dieser Umstand auf seine gegenwärtigen und zukünftigen Lebenschancen aus. Die Bekämpfung der Kinderarmut in Europa muss daher zu einer politischen Aufgabe ersten Ranges werden. Sie ist nicht nur als ein Ausdruck der Anerkennung der Würde und der Rechte der Kinder und Jugendlichen zu verstehen sondern auch als eine Investition in die Zukunft Europas.
Für die AGF ist Kinderarmut ein wichtiges Schwerpunktthema seit 2007. In Expertengesprächen und Fachkonferenzen arbeitet die AGF gemeinsam mit Expert/innen aus Deutschland und der EU daran, das Thema weiter in die Öffentlichkeit zu tragen und wirkungsvolle Strategien zu entwickeln. Dies erfolgt nicht zuletzt auch vor dem Hintergrund des Europäischen Jahres gegen Armut und soziale Ausgrenzung, zum dem das Jahr 2010 erklärte wurde. Die Ziele des Europäischen Jahres sind die Anerkennung des Grundrechts der von Armut Betroffenen auf ein Leben in Würde sowie auf umfassende Teilhabe an der Gesellschaft, die verstärkte Sensibilisierung für das Problem der Armut und für politische Gegenmaßnahmen sowie der Ausbau des politischen Engagements der Europäischen Union und ihrer Mitgliedsstaaten zur Beseitigung von Armut und sozialer Ausgrenzung.
Vorläufiger Höhepunkt der AGF-Tätigkeiten zur Kinderarmut ist das POSITIONSPAPIER ZUR BEKÄMPFUNG UND VERMEIDUNG VON KINDERARMUT IN DER EU, das gemeinsam mit europäischen Experten in einem Prozess von zwei Fachgespärchen und Konferenzen erstellt wurde. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Fachkonferenz zu Kinderarmut in der EU vom 30. August - 01. September 2009 verabschiedeten nach intensiver Diskussion das Positionspapier, das seitdem eine Basis für die weitere Debatte bildet.





